Wieder heißt es für meinen Mann und mich, Auto packen, Koffer packen und auf ins Tierheim nach Rumänen. Dieses Mal haben wir kein komisches Gefühl in der Bauchgegend, denn wir wissen genau, was uns vor Ort erwartet. Uns überkommt ein wunderbares Gefühl, denn die Freude ist bei uns beiden sehr groß, wieder vor Ort sein zu dürfen. Die Reise gestaltet sich völlig problemlos. In Ungarn übernachten wir, denn wir sind doch mächtig müde und ausgelaugt.

Bei meinem Mann kann ich das verstehen, er ist ja Alleinfahrer; ich dagegen habe die ganze Fahrt bis dahin meistens geschlafen, aber ein Bett ist eben ein Bett. Nach einem leckeren Frühstück geht es um 10 Uhr weiter Richtung Rumänien. Die Grenze ist nicht mehr weit entfernt, und dieses Mal kommen wir ohne Kontrolle durch, Gott sei Dank. Aber jetzt beginnt die anstrengendste Fahrt. In Rumänien gibt es keine Autobahn, die Geschwindigkeit ist stark begrenzt und die Ortschaften ziehen sich unwahrscheinlich in die Länge.
 
Wir tuckern so vor uns hin, wir erfreuen uns an der doch wunderschönen Landschaft, den kleinen Dörfern, wo die alten Leutchen vor den kleinen Häusern sitzen und schwatzen, und die vielen Obststände an der Straße. Und das Wetter wird immer schöner. Unser Navi zeigt die vielen Stunden an, die noch vor uns liegen und wir haben das Gefühl, wir kommen nie an. Die Fahrt durch Rumänien ist immer wieder nervenzehrend, denn man hat das Gefühl, es nimmt nie ein Ende. An einer Tankstelle machen wir Halt, denn Ralf braucht unbedingt einen starken Kaffee, seine Augen rollen schon vor Müdigkeit. Aber irgendwie kommen wir auch dieses Mal ohne Probleme an und wir fallen abends um 22 Uhr todmüde in unser Bett, schlafen sofort ein, was gibt es Schöneres!
 
Am nächsten Morgen sind wir frisch und munter gleich am Vormittag ins Tierheim gefahren. Es ist immer wieder schön, die ganzen Hunde zu sehen, wie sie schwanzwedelnd auf uns zu kommen, schnüffeln und uns begrüßen. Sie schnuppern und warten darauf, das wir ein Leckerli raus holen. Ich habe das Gefühl, dass sie noch genau wissen, wer wir sind.
 
Von den Mitarbeitern werden wir freudig begrüßt, der Kaffee steht bereit, und unsere neue Chefin Tina strahlt vor Glück, uns endlich wiederzusehen. Sie schnattert, erzählt, berichtet, und so schnell können wir gar nicht folgen, was sie uns alles erzählt. Das Tierheim macht einen ordentlichen Eindruck, die Ratschläge, die wir ihr gegeben haben, wurden prima umgesetzt. Überall stehen blaue Mülltonnen, in denen jetzt der Dreck verschwindet. Nichts fliegt mehr auf dem Boden herum, alles hat seine Ordnung. Die Küche ist sauber und ordentlich, so wie wir es sehen wollten, denn Hygiene ist eben alles.
 
Wir haben uns viel vorgenommen in den nächsten 3 Wochen, in denen wir vor Ort sein werden. Vieles gibt es zu tun, und die Zeit läuft so schnell dahin. Ich führe später gesondert auf, was wir alles gebaut, geändert und verbessert haben. Während unserer Zeit vor Ort haben wir tüchtige Hilfe bekommen. Stefan und Bärbel aus Lingen sind für ein paar Tage mit einem Auto voller Sach- und Futterspenden zu uns gekommen. Die beiden Männer haben auf den neuen Zwingern professionelle Dächer gebaut, Schutz vor Regen, Schnee und den Sonnenstrahlen im Sommer. Bärbel und ich hatten uns auch Arbeit gesucht, die gibt es hier wirklich in Überfluss.
 
Wir haben im Lager Ordnung gemacht, die Welpen versorgt und, wenn vorhanden, gutes Brot an die Hunde verfüttert. Das machte uns sehr viel Spaß, denn zu sehen, wie die Hunde mit Genuss oder mit Gier das Brot kauen, läßt unser Herz höher schlagen. So schnell wie das Brot verschlungen war, so schnell konnten wir es gar nicht brechen und verfüttern. Jeder Tag vor Ort verging wie im Fluge, viel zu schnell und wir hatten das Gefühl, nichts geschafft zu haben.
 
In den 3 Wochen vor Ort gab es vieles zu besprechen mit Tina und Dr. Catalin. Tina haben wir Tipps und Hinweise gegeben, was verändert werden sollte, wie man besser die Arbeit organisiert und es so für die Mitarbeiter einfacher wird, die vielen Hunde zu versorgen. Dr. Catalin hat uns erklärt, dass er unbedingt ein Kastrationsprogramm durchführen möchte. Dafür bedarf es vielen Vorbereitungen und Hilfe von uns. Dies fanden wir alle sehr wichtig, denn ohne diese Programme werden die Straßenhunde nicht weniger und alles bleibt wie es ist. Wir haben fest zugesagt, dass wir jede Unterstützung gewährleisten, so gut es geht.
Außerdem haben wir große Unterstützung von Tamara Raab erhalten. Sie war mit ihrem Truck auf einer Hilfsaktion für Rumänien unterwegs.
 
Wir konnten ihr unsere vielen Spenden mitgeben, und diese hat Ralf mit Dr. Catalin in Bukarest abgeholt. Unser Transporter ist immer randvoll, wenn wir nach Rumänien fahren. Viele große Spenden, wie zum Beispiel die gesponserten Kühlschränke und Kühltruhen, konnten wir nicht mitnehmen, sie wurden aber vor Ort dringend gebraucht.
 
Im Tierheim haben wir leider auch sehr viele traurige Momente erleben müssen. Am Schlimmsten empfanden wir es, wenn der  Hundefängertransport ins Tierheim fuhr. Im Wagen befanden sich immer mehrere große und auch kleine Hunde, die völlig verstört, dreckig und völlig verängstigt im Transporter saßen. Wir wussten nicht, was sie durch gemacht hatten, wir konnten es nur erahnen. Ich habe es gehasst, wenn ich den roten Lieferwagen gesehen habe, denn er bedeutete nichts Gutes. Sicher, im Tierheim waren die Hunde erst einmal gut aufgehoben, sie haben medizinische Betreuung erhalten, Futter und Wasser, aber ist das alles, was sie brauchen?
 
Das Tierheim platzt aus allen Nähten, die Zwinger sind völlig überfüllt, die Hunde stehen ständig unter massivem Stress und so kommt es mehrmals in der Woche zu tödlichen Beißereien und man findet immer wieder tote Hunde in den Zwingern. Gestern habe ich sie noch gestreichelt, heute sind sie tot.
 
Am Schlimmsten empfand ich auch die kleinen Welpen, die nach ihrer Mama schrieen, nicht einmal ein gutes Futter konnte das Schreien unterbinden. Sie bleiben völlig auf der Strecke, denn für intensive Fürsorge fehlt einfach die Zeit. Sicher, wenn ich vor Ort bin über nehme ich diese Aufgabe sehr gerne. Ich mache sie mehrmals sauber, bade sie, damit wenigstens einmal das Fell von Kot und Urin gereinigt wird, und ich halte sie auch gern im Arm, dann ist Ruhe angesagt. Aber wie ist es dann, wenn ich nicht mehr da bin? Sie haben sich an das Schmusen gewöhnt und keiner kann es dann umsetzten. Zu wenig Arbeitskräfte sind im Tierheim, und die 5 Mitarbeiter schaffen es einfach nicht.
 
Man darf sich über das Nachher keine Gedanken machen, sonst geht man daran zugrunde, und das bringt keinem etwas. Augen zu und durch ist die Devise von meinem Mann und mir, anders geht es nicht, so gern wir es auch wollen. Es herrschen andere Gesetzte im Tierheim dort, die können mit unseren in Deutschland nicht verglichen werden.

Oft höre ich die Frage, warum helft ihr nicht in Deutschland, den Tieren im Tierheim geht es auch schlecht? Schlecht? Ich kann nur innerlich mit dem Kopf schütteln, denn unter schlecht verstehe ich etwas ganz anderes, seitdem ich das Tierheim in Suceava kennen gelernt habe.
 
Aber bei allen Bedenken, bei allem Für und Wieder: für uns steht nur eins fest, wir waren hier, wir konnten helfen und wir kommen wieder, denn nur so gibt es für die Tiere in Suceava eine Zukunft. Dank unserer Gruppe bei Facebook haben wir unendlich viele Anhänger und Unterstützer für das Tierheim gefunden, mit deren Hilfe können wir viel verändern vor Ort. Für die Hunde in Suceava.

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